Heute neuer Umsatzrekord, morgen bürokratischer Irrsinn

[08.10.2019] Vor allem aufgrund gestiegener Pkw-Neuzulassungen hat das rheinland-pfälzische Kfz-Gewerbe im Jahr 2018 mit 7,9 Milliarden Euro einen neuen Umsatzrekord aufgestellt. Davon konnten die Kfz-Betriebe – nach vorläufiger Berechnung – aber gerade einmal einen Prozent als Rendite verbuchen. Schuld daran sind laut Kfz-Landesverband unter anderem die drohenden Diesel-Fahrverbote und die Umstellung auf den so genannten WLTP-Zyklus bei der Typengenehmigung von Fahrzeugmodellen, in deren Folge es zunächst zu Überkapazitäten an Fahrzeugen und dann zu Lieferengpässen kam. Bei der verpflichtenden Abgasuntersuchung im Rahmen der Hauptuntersuchung rechnet der Verband wegen einer aus seiner Sicht sinnlosen gesetzgeberischen Doppelbelastung mit einer überflüssigen zusätzlichen Bürokratie und vor allem Kostenbelastung der Betriebe.

Im vergangenen Jahr sind 134.089 Pkw in Rheinland-Pfalz neu zugelassen worden, so viele wie seit 2006 nicht mehr. Gemeinsam mit einem gestiegenen Neuwagenpreis von durchschnittlich 31.130 Euro ist dies die Hauptursache für das Umsatzplus von 3,1 Prozent im Vergleich zu 2017. Der Neuwagenhandel brachte dabei einen Umsatz von etwa 2,6 Milliarden Euro. Der Gebrauchtwagenhandel steuerte knapp 3,7 Milliarden Euro bei – die um ein Prozent geringere Zahl an Besitzumschreibungen konnte durch einen leicht gestiegenen Gebrauchtfahrzeugpreis wettgemacht werden. Und auch die Erträge in der Werkstatt stiegen leicht auf etwas mehr als 1,6 Milliarden Euro.

Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz, nimmt die an sich guten Zahlen allerdings mit der gebotenen Zurückhaltung zur Kenntnis. „Am Ende geht es nicht darum, wie viele Autos ich verkaufe, sondern darum, ob nach An- und Verkauf auch etwas übrig geblieben ist – und das war im vergangenen Jahr mit einer Rendite von durchschnittlich einem bis 1,3 Prozent sehr wenig“, konstatiert er.

Diesel-Fahrverbote und WLTP

Das Geschäft wurde auch in Rheinland-Pfalz von der Diskussion um Diesel-Fahrverbote beeinträchtigt. Noch immer müssen Autohändler relative junge Euro-V-Diesel mit oft hohen Abschlägen verkaufen. „Glücklicherweise haben wir die Bundesregierung doch noch von der Diesel-Hardware-Nachrüstung überzeugen können. So werden die Preise für diese Fahrzeuge stabilisiert“, sagt Norren.

Ein noch größerer Renditekiller im vergangenen Jahr hieß jedoch WLTP, das Kürzel steht für „Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure“. Seit September 2018 dürfen nur noch Fahrzeuge in Deutschland zugelassen werden, deren Modell nach diesem neuen praxisnäheren Testverfahren genehmigt wurde. Einige Hersteller schafften es nicht, ihre Modellpalette rechtzeitig umzustellen. Dies hatte zur Folge, dass Autohändler von den Herstellern dazu angehalten wurden, vor Ende August viele noch nach altem Testverfahren genehmigte Fahrzeuge auf sich selbst zuzulassen. Diese Autos müssen später typischerweise mit Rabatt als Tageszulassung verkauft werden. Ab September kam es für viele Händler aber noch bitterer, weil die Hersteller nicht genügend Modelle nach WLTP hatten können genehmigen lassen, kam es zu Lieferengpässen. Die Händler konnten ihren Kunden oftmals, wenn überhaupt, nur vage Liefertermine nennen. Hans Werner Norren kommentiert: „Zuerst hatten wir zu viel Ware, danach zum Teil gar keine mehr.“

Gesetzliche Doppelprüfung

Jedes Jahr werden in Rheinland-Pfalz 730.000 Abgasuntersuchungen (AU) im Rahmen der Hauptuntersuchung durchgeführt. Für diese Untersuchung, die in der Regel von anerkannten Werkstätten durchgeführt wird, benötigt man einen AU-Tester. Dieser Tester muss jedes Jahr vom Eichamt geeicht werden, die Kosten dafür sind in den Kosten für die AU eingepreist. Mit der Eichung wird bestätigt, dass das Gerät die richtigen Abgaswerte misst. Seit diesem Jahr aber müssen aufgrund europarechtlicher Vorgaben diese Geräte nicht nur geeicht, sondern auch von einem akkreditierten Dienstleister kalibriert werden. Die Kalibrierung bestätigt, dass das Gerät die richtigen Abgaswerte misst. Genau dasselbe also wie die Eichung, nur dass das Testverfahren jetzt europaweit vereinheitlicht ist.

Für Hans Werner Norren ist diese sinnlose Doppelprüfung untragbar. „Die Kalibrierung führt zu weiteren Kosten, die letzten Endes an die Verbraucher weitergereicht werden, vor allem aber zu sinnloser Bürokratie“, sagt Norren. „Der Gesetzgeber muss dringend die AU-Geräte von der Eichpflicht befreien. Alles andere ist bloße Bürokratie, die zu Aufwand bei den Betrieben und Kosten für die Autofahrer führt. Man kann nicht in politischen Sonntagsreden von Bürokratieabbau reden, dann aber in der politischen Praxis Bürokratieaufbau betreiben.“

Im Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz e.V. sind die 14 Kfz-Innungen in Rheinland-Pfalz organisiert, die insgesamt etwa 1800 Kfz-Betriebe vertreten, die als Innungsmitglied das blau-weiße Meisterschild führen dürfen.

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Letzte Änderung: 08.10.2019Webcode: 0126435