Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz: Umsatz steigt, Rendite nicht

[11.03.2015] Mit einem Umsatzplus von 4,3 Prozent hat das Kfz-Gewerbe in Rheinland-Pfalz das Jahr 2014 abgeschlossen. Den größten Beitrag dazu hat laut Statistischem Landesamt der Handel mit Kraftfahrzeugen geleistet – mit einem Umsatzplus von 7,4 Prozent. Und das, obwohl im vergangenen Jahr nur wenige Autos mehr als 2013 neu zugelassen worden sind (+ 0,77 Prozent) und die Zahl der Besitzumschreibungen sogar rückläufig ist (-1,07 Prozent). Grund für das Umsatzplus sind die gestiegenen Preise für Neu- und Gebrauchtwagen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr im rheinland-pfälzischen Kfz-Gewerbe im Kfz-Handel, im Kfz-Teile-Handel und im Werkstattgeschäft rund 9,73 Milliarden Euro umgesetzt, 6,17 Milliarden davon im Handel.

Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz, erklärt: „Neuwagen sind im Schnitt um 1300 Euro teurer geworden, sie kosteten 28.330 Euro. Gebrauchtwagen kosteten im freien Handel im Durchschnitt 8940 Euro, ein Plus von 440 Euro, und im Markenhandel 14.280 Euro, 770 Euro mehr als im Vorjahr.“ Diese Steigerungen beruhten vor allem darauf, dass die Autos technisch anspruchsvoller geworden sind. Im Gebrauchtwagenbereich gehen Norren zufolge die Preissteigerungen auch darauf zurück, dass zunehmend Fahrzeuge mit Tageszulassungen und so genannte Jahreswagen verkauft würden. „Diese Autos haben Händler auf sich zugelassen, um die vorgegebenen Ziele der Autohersteller zu erfüllen. Im Grunde sind es neuwertige Fahrzeuge, die dann als junge Gebrauchte teurer sind als der Gebrauchtwagendurchschnitt“, so Norren weiter.

Allerdings sorgen diese jungen Gebrauchten dafür, dass die Rendite der Kfz-Unternehmen geringer ausfällt. Denn die Händler haben diese Fahrzeuge ja selbst als Neuwagen gekauft, um sie dann als Gebrauchte zu verkaufen. Das Renditeminus ist zu spüren: Das Kfz-Gewerbe geht im Jahr 2014 von einer Umsatzrendite von lediglich ein bis 1,2 Prozent in den Kfz-Betrieben aus (2013: 1,3 Prozent). „Das ist auf die Dauer zu wenig, um die Standards der Hersteller erfüllen zu können. Die Hersteller sind gefordert, die Umsatzsituation für die Betriebe zu verbessern“, sagt Norren.

Dass sich der Umsatz im Jahr 2014 noch so gut entwickelte, liegt auch an der Jahresendrallye, die den Zahlen des Statistischen Landesamts deutlich abzulesen ist. Im Kfz-Handel stieg der Umsatz im Dezember 2014 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 19,7 Prozent. Hans Werner Norren befürchtet, dass sich darunter viele händlereigene Zulassungen befanden.

Für 2015 rechnet das Kfz-Gewerbe mit etwa 120.000 Pkw-Neuzulassungen und 390.000 Besitzumschreibungen. Damit würde das 2014er-Niveau gehalten.

Elektromobilität in Rheinland-Pfalz

Das Kfz-Gewerbe in Rheinland-Pfalz bezweifelt, dass von dem gerade beschlossenen Elektromobilitätsgesetz ein großer Impuls für die Elektroautos in Rheinland-Pfalz ausgeht. In dem Gesetz werden Kommunen dazu ermächtigt, Elektroautos Sonderrechte im Straßenverkehr einzuräumen. Kfz-Landesverbandsgeschäftsführer Jens Bleutge: „Selbst wenn die Kommunen Fahrern Elektroautos beispielsweise erlauben, die Busspur zu benutzen, wird das nicht ausreichen, um die Mehrkosten beim Kauf eines Elektroautos aufzuwiegen. Elektromobilität wird dadurch nicht attraktiver.“ Sinnvoller sei es hingegen, eine Sonderabschreibung für gewerbliche Kunden einzuführen, damit Unternehmen ihre Flotten wenigstens zum Teil auf Elektrobetrieb umrüsten.

Momentan fristet die Elektromobilität in Rheinland-Pfalz ein stiefmütterliches Dasein: Gerade einmal 226 Elektroautos wurden im Jahr 2014 in Rheinland-Pfalz zugelassen. Das sind zwar beinahe doppelt so viele wie im Vorjahr (130), aber angesichts von fast 121.000 Neuzulassungen insgesamt immer noch extrem wenige. Selbst wenn man den Hybrid-Antrieb mit einbezieht, sieht das Bild düster aus. „Die Anzahl der zugelassenen Hybrid-Wagen ist in Rheinland-Pfalz mit 1135 gegenüber dem Vorjahr mit 1295 sogar zurückgegangen. Was die Elektromobilität gewinnt, verlieren die Hybrid-Fahrzeuge“, so Bleutge.

Kampf um Marktanteile bei Autoglas

Besondere Aufmerksamkeit widmet das rheinland-pfälzische Kfz-Gewerbe zurzeit dem Thema Autoglas. In den vergangenen Jahren ist das Geschäft mit der Reparatur und dem Austausch von Windschutzscheiben teilweise um 30 bis 40 Prozent eingebrochen. Grund ist die aggressive Werbung von Autoglas-Firmen. Autofahrer scheint inzwischen nicht mehr klar zu sein, dass Kfz-Meisterbetriebe kompetente Dienstleister beim Thema Autoglas sind. Das Kfz-Gewerbe hat nun eine Initiative gestartet, um das Geschäft in die Kfz-Meisterbetriebe zurückzuholen. Unter www.kfz-rlp.de/glas können sich Innungsbetriebe für eine Internetplattform registrieren, die die Kunden über Google-Ad-Words und ein Call-Center in die angeschlossenen Betriebe bringt.

 

Im Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz e.V. sind die 17 Kfz-Innungen in Rheinland-Pfalz organisiert, die insgesamt etwa 1900 Kfz-Betriebe vertreten, welche als Innungsmitglied das blau-weiße Meisterschild führen dürfen.

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Letzte Änderung: 21.02.2017Webcode: 0073296