Pkw-Jahr 2016: Trotz gutem Jahr wenig Ertrag

Die Kfz-Betriebe in Rheinland-Pfalz haben ein gutes Jahr 2016 hinter sich. Mit einem Plus von 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fuhren sie mit ihrem Handels- und Werkstattgeschäft einen neuen Umsatzrekord von 7,68 Milliarden Euro ein. Allerdings hinkt weiterhin der entscheidende Faktor für den Unternehmenserfolg hinterher: die Umsatzrendite. Diese zeigt – nach vorläufigen Berechnungen – nur eine leichte Steigerung auf einen Wert zwischen 1,6 und 1,9 Prozent (Vorjahr: 1,4 Prozent).

Kfz-Landesverbandspräsident Hans Werner Norren sieht in der geringen Umsatzrendite gerade angesichts der anstehenden Veränderungen im Automarkt ein großes Problem für die Branche. „Einem Kfz-Betrieb, der nicht mindestens drei Prozent Rendite hat, bleibt nur wenig Spielraum für Investitionen in geschultes Personal und Geräte. Doch diese Investitionen sind in näherer Zukunft unverzichtbar, wenn vermehrt elektrische und vernetzte Fahrzeuge gewartet und repariert werden sollen“, sagt Norren.

Die gestiegenen Umsatzzahlen sind auf  mehr verkaufte Neu- und Gebrauchtwagen, vor allem aber auf die gestiegenen Pkw-Preise zurückzuführen. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen stieg von 130.238 im Jahr 2015 um 0,84 Prozent auf 131.331 Fahrzeuge, die Zahl der Besitzumschreibungen legte kaum zu – um minimale 0,1 Prozent – von 406.168 auf 406.623 Pkw. Der durchschnittliche Preis für einen Neuwagen verteuerte sich von 28.590 auf 29.650 Euro, der durchschnittliche Preis für einen Gebrauchtwagen stieg von 10.620 auf 11.430 Euro. „Die steigenden Preise sind durch die vielen jungen Gebrauchten auf dem Markt zu erklären – Tageszulassungen machen inzwischen ja vielen Neuwagen Konkurrenz“, berichtet Norren. Außerdem werde auch die Fahrzeugausstattung immer besser, so Norren.

Der Abgasskandal hat inzwischen auch in den Neuzulassungszahlen in Rheinland-Pfalz Spuren hinterlassen: Eine leichte Tendenz hin zum Benziner ist erkennbar. So lag der Marktanteil von Dieselfahrzeugen bei den Neuzulassungen in Rheinland-Pfalz 2016 bei 41,8 Prozent, 2,8 Prozentpunkte unter dem Wert von 2015. „Das ist noch weit entfernt von einem Totalschaden für den Diesel“, sagt Norren. Allerdings sei abzuwarten, wie viel Schaden dieser Antriebsart noch entstehen werde. Dauerhafte Einfahrverbote in Städte würden wohl noch mehr Kunden zum Benziner greifen lassen – mit fatalen Konsequenzen für die CO2-Ziele der Bundesregierung.

Für das Jahr 2017 geht der Kfz-Landesverband von einem geringen Rückgang der Neuzulassungszahlen aus – auf etwa 126.000 Neuwagen. Im Gebrauchtwagengeschäft rechnet der Verband mit einem gleichbleibenden Niveau von etwa 406.000 Besitzumschreibungen aus.

Sonderthema Verbraucherschlichtung

Seit diesem Februar müssen alle Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern, ganz gleich welcher Branche, darauf hinweisen, ob sie an einem Verfahren vor der staatlich anerkannten Verbraucherschlichtungsstelle in Kehl teilnehmen. Die Kfz-Innungsbetriebe werden sich an diesem neuen Verfahren nicht beteiligen, weil sie weiterhin den seit mehr als 40 Jahren erfolgreichen eigenen Kfz-Schiedsstellen vertrauen, die mit Vertretern von ADAC, Prüforganisationen, Kfz-Gewerbe und richteramtsfähigen Juristen besetzt sind.

Die Statistik der sieben rheinland-pfälzischen Schiedsstellen zeigt eine erfreuliche Tendenz: Die Zahl der Schlichtungsverfahren ging von 222 im Jahr 2015 auf 213 im Jahr 2016 zurück, wobei sich die meisten Fälle (198) auf das Werkstattgeschäft bezogen, 15 auf den Handel. 180 dieser Fälle wurden im Vorverfahren durch mündliche und schriftliche Vermittlung zwischen Kunden und Werkstatt gelöst, 14 landeten vor der Kommission und wurden dort entschieden.

Kfz-Landesverbandspräsident Hans Werner Norren sieht in den Zahlen eine Bestätigung der Arbeit der Kfz-Innungsbetriebe. „Angesichts der mehr als drei Millionen Werkstattaufträge, die in Rheinland-Pfalz von Innungsbetrieben im Jahr 2016 umgesetzt wurden, ist die Zahl der Schiedsstellen-Fälle marginal“, sagt er. Gleichwohl rechnet er für 2017 mit einem leichten Anstieg der Zahlen, da die Verbraucherschlichtungsstelle in Kehl anfragende Kfz-Kunden zunächst auf die Kfz-Schiedsstellen der Innungen verweist.

Im Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz e.V. sind die 15 Kfz-Innungen in Rheinland-Pfalz organisiert, die insgesamt etwa 1900 Kfz-Betriebe vertreten, die als Innungsmitglied das blau-weiße Meisterschild führen dürfen.

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Letzte Änderung: 13.03.2017Webcode: 0112137