Tag der Aus- und Weiterbildung
Am 09.10.2024 fand der erste Tag der Aus- und Weiterbildung als Auftaktveranstaltung im Verbandshaus des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz e.V. statt und lockte zahlreiche Teilnehmer:innen aus der Branche an. Die Veranstaltung eröffnete Jens Bleutge, Geschäftsführer des Kfz-Landesverbands, der alle Anwesenden herzlich willkommen hieß. Er betonte die tiefgreifenden Veränderungen im Kfz-Bereich und hob die Notwendigkeit hervor, zukunftsorientiert zu denken und zu handeln. Daher seien die Themen der Referent:innen bewusst auf die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen der Branche abgestimmt, was sich in der hohen Relevanz und Aktualität der Vorträge widerspiegelte.
Daniel Winkler vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) eröffnete die Vortragsreihe mit dem Thema digitale Gesellenprüfung und sorgte direkt für lebhaften Austausch, als er fragte: „Was erwarten Sie von der digitalen Gesellenprüfung?“ Die Antworten reichten von klaren Aufgabenstellungen über Fairness bis hin zur Zuverlässigkeit der Prüfungen. Winkler stellte das Konzept der Full-Service-Prüfung vor und hob die Vorteile hervor: Die Innungen profitieren von einem umfangreichen Aufgabenpool, einheitlichen Dateien und einem Bewertungsrahmen, der für faire und vergleichbare Ergebnisse sorgt. Durch die direkte Ergebnisausgabe gibt es schnelle Rückmeldungen, und die automatisierte Dateierstellung reduziert Verwaltungsaufwand. Zudem sind die Daten sicher archiviert und vollständig auswertbar – eine solide Basis für tiefgehende Analysen.
Dave Rexhäuser von der Technischen Universität Dresden präsentierte per Microsoft Teams die digitalen Ansätze der praktischen Gesellenprüfung im Kfz-Handwerk. Er stellte die Projekte DigiDIn-Kfz und InnoVET-Kfz vor, die mithilfe von Simulationen und Videovignetten verschiedene Fehlerfälle und Fahrzeugzustände realitätsnah darstellen. Obwohl mechanischer Verschleiß und Soft Skills nicht digital erfassbar sind und ein Dialog mit den Prüfer:innen fehlt, bietet die digitale Prüfungsstation klare Vorteile: Sie entlastet das ehrenamtliche Personal, sorgt für objektivere Bewertungen und ermöglicht eine sofortige Auswertung. Einige Prüfungsbereiche sind bereits gut digitalisiert, jedoch bleibt eine vollständige Abdeckung noch Zukunftsmusik.
Nach einer stärkenden Mittagspause ging es mit der Präsentation von Achim Kreyenpoth von der Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (BDK) weiter. Er erläuterte die digitale Transformation im Finanzsektor und stellte fünf digitale Servicebereiche der BDK vor: Vom Wecken des Fahrzeuginteresses über Plattformen wie JuhuAuto, detaillierte Fahrzeuginformationen und Finanzplanungstools bis hin zum digitalen Fahrzeugkauf und der effizienten Geschäftsabwicklung mit Systemen wie PHOENIX und BDK Flow. Kreyenpoth zeigte, wie diese digitalen Lösungen den Arbeitsalltag im Kfz-Gewerbe erleichtern und optimieren.
Jens Fiedermann von der KAUSA-Landesstelle Rheinland-Pfalz beleuchtete die Bedeutung qualifizierter Zuwanderung für die Fachkräftesicherung angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland. Der steigende Anteil ausländischer auszubildender Personen gleicht den Rückgang an Bewerber:innen teilweise aus – ohne Migration würden jährlich etwa 50.000 Nachwuchskräfte im Handwerk fehlen. Um Herausforderungen wie Sprachbarrieren und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu meistern, schlug Fiedermann vereinfachte Anerkennungsverfahren, digitale Lernangebote und Kooperationen mit Herkunftsländern vor, um Fachkräfte besser auf die Ausbildung in Deutschland vorzubereiten.
Matthias Andes vom Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz thematisierte die Herausforderungen der Berufsschulen, insbesondere fehlende Grundkompetenzen in Mathematik, Sprache und sozialen Fähigkeiten. Zur Verbesserung schlägt er gezielte Fördermaßnahmen in Schule und Betrieb, die Vermittlung sozialer Kompetenzen und wertschätzendes Feedback vor. Verschiedene Lehrmethoden und Mitbestimmung könnten die Motivation der Auszubildenden steigern. Besonders wichtig sei ein angstfreies Lernumfeld, da sprachliche Defizite oft dazu führen, dass vorhandenes Wissen nicht richtig wahrgenommen und die Fähigkeiten der Auszubildenden falsch eingeschätzt werden.
Nach der Kaffeepause eröffnete Sylvia Gerl von der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft den „Markt der Möglichkeiten“. Sie sprach über die Erwartungen der Generation Y: Flexibilität im Job, eine gute Work-Life-Balance und Nachhaltigkeit sind ihnen besonders wichtig. Gerl empfahl, die Ausbildung bedarfsorientiert zu gestalten, Ausbildungsbegleiter:innen einzusetzen, Fortbildungsverträge anzubieten und die Rolle der Berufsschulen kritisch zu überprüfen, um deren Ausbildungsfunktion zu stärken.
Zum Abschluss stellte Claudia Kefferpütz vom ZDK die Fachkräfte- und Nachwuchsstrategie für das Kfz-Gewerbe vor, die Talente gewinnen, fördern und binden soll. Die Strategie umfasst vier Kampagnen: #SHE fördert Frauen im Gewerbe, #BEST unterstützt den Austausch bewährter Methoden, #START erleichtert Migrant:innen die Integration, und #NEW fördert den Wissenstransfer für neue Ausbildungskonzepte. Diese Maßnahmen sollen das Kfz-Gewerbe zukunftssicher machen und den Fachkräftemangel bewältigen.
Der erste Tag der Aus- und Weiterbildung war ein voller Erfolg und hat gezeigt, wie wichtig es ist, branchenspezifische Themen gemeinsam anzugehen. Die positive Resonanz und das große Engagement der Teilnehmer:innen bestätigen, dass dieses Event genau den Nerv der Branche trifft. Künftig wird der Tag der Aus- und Weiterbildung als jährlicher Fixpunkt etabliert, der Wissen vermittelt, neue Impulse setzt und den Zusammenhalt im Kfz-Gewerbe stärkt. Wir freuen uns darauf, im kommenden Jahr noch mehr Interessierte willkommen zu heißen und mit spannenden, aktuellen Themen die Zukunft der Branche aktiv mitzugestalten!